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Der neue Tag

SULZBACH-ROSENBERG
Neue Farbigkeit und ein "Pedaltanz"
Organist Gerd Hennecke und Saxofonist Stefan Frank beeindrucken Publikum in der Christuskirche
Am Festabend zu Ehren des Heiligen Geistes machten sich Dekanatskantor Gerd Hennecke und Saxofonist Stefan Frank auf: Unter dem Titel "Komm, Gott Schöpfer,Heiliger Geist" erweiterten sie den Geist des Publikums in der Christuskirche auf musikalischer Ebene.Dabei setzten die beiden Musiker auf eine austarierte Mischung zwischen gefälligen Stücken und anspruchsvollem Repertoire, damit sich die Zuhörer "beseelen lassen von der Musik und ihrem Geist", so Gastgeber Hennecke. Mit der Besonderheit dieses Pfingstkonzerts untrennbar verbunden war zudem die rare Besetzung Orgel-Saxofon, die so manchen Horizont zusätzlich ausdehnte.

Schillernde Impression
Dass die Künstler Anspruch hatten, zeigte sich gleich zu Beginn: Gerd Hennecke sang auf der Empore den Hymnus "Nun bitten wir den Heiligen Geist", Stefan Frank übernahm im Kirchenschiff, und am Ende improvisierten beide nebeneinander ihre ureigenen, jazzig schattierten und tonal schillernden "Impressionen".
Als gute Idee erwies es sich, jeweils vorab die Werkauswahl mit etwas Hintergrund zu unterfüttern. Ansonsten wäre beispielsweise der von Johann Sebastian Bach in Toccata-Form gegossene Prüfstein für Modale, Pedale und Lunge der Orgel vielleicht nicht so zur Geltung gekommen, vom Augenmerk auf den fußfertigen Pedaltanz Henneckes gar nicht zu reden. Stefan Frank verstand es wahlweise an Sopran - oder Altsaxophon, den volltönenden und von Natur aus raumfüllenden Orgelton mit rundem, angenehm unmetallischen Klang effektvoll zu ergänzen und dem nur scheinbar überlegenen Duettpartner standzuhalten. Nicht nur die fünfsätzige Sonata von Antonio Vivaldi gelangte durch Franks Kunst und Fertigkeit zu neuer Farbigkeit. Auf den solistischen Abstecher der Orgel in die moderne Preludien-Welt von "Come, holy spirit" und "I come with you" folgte ein Griegscher "Peer Gynt" zum Dahinschmelzen. Dabei war aber nicht nur "Solveigs Lied" so berückend wie von Hennecke versprochen. Eine "Morgenstimmung", die zwischen imposantem Orgel- und elegantem Saxofonton
changierte, zählt zu den selteneren Musikgenüssen. Ebenso perfekt umgesetzt ertönten aber auch Åses Tod und Anitras entfesselter Tanz.
Faszination durch Kraft
So leicht macht es ein Olivier Messian dem Publikum nicht. Seine zu Pfingsten als Geburtstag der Kirche für die Orgel komponierte "Apparition de l'Église éternelle" faszinierte dennoch mit Kraft fernab von melodischer Weichspülerei. Als Sax-Solo hatte sich Stefan Frank, der als Musikpädagoge an der Sing- und Musikschule tätige Absolvent der Schwabacher Musikkaderschmiede "Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasium", das äußerst anspruchsvolle "Syrinx" von Claude Debussy ausgewählt. Und er hatte schon recht mit seiner Vorrede: Hätte Pan statt der zum Schilfrohr mutierten Nymphe Syrinx ein Saxofon gehabt, "was hätte er anderes damit anfangen können als mit der Flöte".
Jazzige Zugabe
Das gediegen-feierliche Finale bestritten die Künstler mit der "Saint Wilfrid's Suite",englischer Kathedralmusik von Andrew Carter. Der musikalisch beseelte Kreis schloss sich. wie er begonnen hatte - mit der jazzigem Zugabe "Sometimes I feel".

Obermain Tagblatt 01.01.2014

VIERZEHNHEILIGEN
Eine Hommage an Alphonse Sax
Spannende Klangwelten bei Silvesterkonzert mit dem Elus-Saxophonquartett und Georg Hagel

Ungewohnte Klänge: Das Elus-Saxophonquartett überraschte mit den vielseitigen Ausdrucksmöglichkeiten des jüngsten Blasinstruments.




Um Klassiker exzellent darzubieten, braucht es kein komplettes Orchester, das bewiesen die vier Musiker des Elus-Saxophonquartetts und Georg Hagel an der Orgel beim Silvesterkonzert in der Basilika. Mit den vielseitigen musikalischen Ausdruckmöglichkeiten, die das Saxophon bietet, zogen die Künstler das Publikum in der voll besetzten Kirche in ihren Bann.

Auf Einladung des Basilikaorganisten Hagel und der Kirchenstiftung gastierte das neue Elus-Quartett um den Saxophonisten Johannes Neuner in Vierzehnheiligen. Die Musiker, neben Neuner spielten Elke Beer, Johannes Raum und Stephan Frank, kennen sich von ihrer gemeinsamen Zeit an der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg und spielen unter anderem in Orchestern der Städte Nürnberg, München, Hof und Coburg. Die vier Saxophonisten öffneten einen ganz besonderen Zugang in eine Welt aufregender Musik.
Völlig neuer Hörgenuss

Sie präsentierten den einzigartigen Klangreichtum ihrer Instrumente und vermittelten den Zuhörern in der wundervollen Kirche einen völlig neuen Hörgenuss. Von der Tiefe und Kraftfülle, die Elke Beer dem Baritonsaxophon mit seinem warmen, satten Klang entlockte, bis zu den filigranen Melodien, die Johannes Neuner mit dem Sopransaxophon zeichnete: Die Musiker entfachten ein tonales Feuerwerk von technischer Brillanz.

Überraschend anders war das Programm des Silvesterkonzerts. Es war eine Hommage an Adolphe Sax, der das jüngste aller Holzblasinstrumente in den 1840-er Jahren erfunden hat. Wer das Saxophon bisher nur aus Pop und Jazz kannte, erlebte hier neue Klänge. Zu den ausgewählten Werken zählte etwa das„Premier Quatuor“, das Jean-Baptiste Singelée 1857 speziell für Saxophon geschrieben hat. Der Belgier Singelée war ein Freund von Sax und begleitet die Entwicklung des neuen Instruments mit großem Interesse. Erfrischende Klänge: „Toccata“ und „Finale“, vom Komponisten Paul Reade 1976 für dieses Instrument geschrieben.
Zarte Tonreihen, bebende Akkorde

Und immer wieder erklang die vertraute Basilikaorgel im Kirchenraum. Georg Hagel schöpfte bei den Variationen über das französische Weihnachtslied „Noel in G“ von Louis Claude Daquin aus dem Vollen, spielte mit zarten, sprudelnden Tonreihen und bebenden Akkorden.

In diesem Jahr herrschten vergleichsweise angenehme Temperaturen in der großen Basilika. Vorsorglich waren viele der Zuhörer ausgerüstet, mit Handschuhen und warmen Wolldecken machten sie es sich in den Bänken und auf der Galerie gemütlich und konnten so ohne Zittern die musikalische Darbietung genießen. Aufkommende Gänsehaut war in diesem Jahr einzig der bewegenden Musik und nicht der Kälte geschuldet.
Meditation über die Zeit

Eingangs hatte Hausherr Pater Heribert Arens, Guardian des Franziskanerklosters und Kirchenrektor, die Zuhörer mit einer Meditation über die Zeit zur Einstimmung auf den Jahreswechsel begrüßt. Im Anschluss spannten die Musiker gemeinsam den Bogen von der traditionellen Kirchenmusik bis zur Gegenwart, wechselten zwischen ausgefallenen und bekannten Melodien. Auch Kompositionen von George Gershwin und Michael Nyman gehörten zum dargebotenen Repertoire.

Ein unkonventionelles Silvesterkonzert, ein gelungener Ausklang des Jahres. Der belgische Instrumentenbauer Adolphe Sax, dessen 200. Geburtstag im Jahr 2014 gefeiert wird, hätte sicherlich seine helle Freude gehabt.